Wie mit den Eltern umgehen?

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Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  x-ray am So Dez 18, 2011 1:19 pm

Diverse Therapien geben das Ziel "Versöhnung mit den Eltern" aus. Alice Miller hat das bekanntlich für hochproblematisch gehalten. Frage: Wie sieht das das noch kleine Plenum? Wollt ihr, könnt ihr euch mit euren Eltern versöhnen? Oder habt ihr schon? Oder habt ihr euch getrennt?

x-ray

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Huck am Mo Dez 19, 2011 2:18 am

Das Thema ist tabu.... ich würde mich auch nicht wirklich trauen, das bei meiner Mutter anzusprechen...

Huck

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  x-ray am Mo Dez 19, 2011 2:25 am

habe ich, mit wechselnden Erfolgen, meistens wurde abgewiegelt. Manchmal hieß es auch "Aber es war damals so, und so schlimm wars doch auch nicht" etcetc

x-ray

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Huck am Mo Dez 19, 2011 4:55 am

Was man natürlich in aller Fairness sagen muß, ist dass diese Art der Erziehung in dieser Zeit relativ üblich und auch gesellschaftlich völlig anerkannt war, so schlimm das auch ist. In meinem Freundeskreis zu Schulzeiten erging es den meisten so. Die einen wurden streng erzogen, die anderen weniger streng aber eine gelegntliche Tracht Prügel oder Backpfeifen kannte so ziemlich jeder von zuhause. Der eine hast irgendwie psychisch weggesteckt, andere (zu denen ich mich auch zähle) haben heute noch in gewisserweise dran zu knabbern.

Es waren in dieser Beziehung zumindest schreckliche Zeiten.

Huck

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  x-ray am Di Dez 20, 2011 2:04 am

Das ist richtig, Huck, allerdings gilt speziell für die Übergangszeit 70er, frühe 80er, dass den Eltern damals durchaus bereits Alternativen vorgestellt worden sind - die meisten haben nur keinen Gebrauch davon gemacht.

x-ray

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wegen Versöhnung

Beitrag  Löwin am Di Dez 20, 2011 9:30 am

Hallo x-ray,

nein, Versöhnung kommt für mich nicht in Frage, und zwar ganz einfach aus dem Grund, weil meine Eltern für die seelische und körperliche Gewalt, die ich leider durch sie erfahren musste, keine, aber auch gar keine Reue zeigen. Und ja, ich habe mich von meinen Eltern getrennt. Ich vertraue ihnen nicht. Nein, Vertrauen habe ich in meine Eltern von Kindesbeinen an nie gehabt. Das haben meine Eltern zerstört. Die Trennung von meinen Eltern habe ich für mich getan - meiner Würde und Selbstachtung zuliebe.

Die Sache mit der Versöhnung sehe ich persönlich ebenso kritisch wie Alice Miller, deren Bücher mir bei der Aufarbeitung meiner Kindheit sehr treue Begleiter waren. Ebenso die amerikanische Therapeutin und Buchautorin Susan Forward, die das Buch Vergiftete Kindheit geschrieben hat, plädiert ebenfalls nicht für Versöhnung, sondern überlässt den Betroffenen selbst die Wahl.

Es mag vielleicht Eltern geben, die echte Reue zeigen. Mir ist dies jedoch vergönnt. Somit habe ich inzwischen jede Hoffnung aufgegeben.

-----
kurze Anmerkung: Ich möchte hier nur als Gast schreiben, da meine E-Mail-Adresse meinen richtigen Namen enthält. Bei diesem heiklen Thema möchte ich jedoch anonym bleiben. Ich hoffe, dass ist in Ordnung. Und meinen Benutzernamen "Löwin" habe ich gewählt, weil ich inzwischen für mich selbst einstehen kann, was ich als Kind und Jugendliche aufgrund der Erziehung nicht konnte.

Löwin
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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  x-ray am Di Dez 20, 2011 9:54 am

Hallo Löwin

a)
Ich möchte hier nur als Gast schreiben, da meine E-Mail-Adresse meinen richtigen Namen enthält. Bei diesem heiklen Thema möchte ich jedoch anonym bleiben. Ich hoffe, dass ist in Ordnung.
Das ist sowas von in Ordnung! Zwar könntest Du Dich hier auch (ist vielleicht bequemer) mit ner Zweit-Mail/Alias-Mail, wie wir es ja auch empfehlen, registrieren. Aber so ists auch okay. Genau deswegen dürfen hier - wie Du siehst! - Gäste auch schreiben. Und zwar ohne vorher zu betteln. Nebenbei: Sollten hier Spinner auftauchen, werden wir erbarmungslos zensieren. Uns sind schon zwei Foren zu sensiblen Themen durch Nicht-wahr-haben-Woller resp durch Wichsvorlagensucher zerschossen worden. Flagellanten begeben sich bitte in ihre Foren (ich bin für sexuelle Toleranz, wenn zwei Erwachsene das mögen: okay!), Anhänger der Kühnels schmoren bitte in deren Gästebuch. Dort können sie sich gegenseitig immer und immer und immer wieder erzählen, wie unverständlich die Trennung ihrer Kinder eigentlich sei... Weitere Auskünfte erteilt zB Tim Raue...

b) Jetzt aber zum Thema: Versöhnung. Da inzwischen relativ klar sein dürfte, wer ich klarnamentlich bin, muss ich mich hier etwas vorsichtig ausdrücken. Ich kannte mal eine Person (Duden-Geschlecht muss offen bleiben), die wurde vermittels Lederriemen "auf den rechten Weg gebracht". Natürlich auch wieder in den ach so antiautoritären 70ern. Natürlich auch wieder nicht von schnapsduhnen Stütze-Empfängern, sondern in einem Akademikerhaushalt. Ergebnis: Studienabschluß, Karriere, Eigentumswohnung mit Blick auf xxx........ Zusammenbruch. Heute: Hartz IV, kaputt. In Therapie (der wievielten?). Ich zu der Person: "Erzähl, was Deine Mutter gemacht hat usf" Die in meinen Augen furchtbare Antwort: "Das kann ich nicht. Therapieziel ist die Versöhnung mit meiner Mutter!"... Ich bin nicht gegen Versöhnung - aber erst, wenn aufgearbeitet wurde!. Eines geht nicht: ja, da ham wer n paar klitzekleine Fehler gemacht, kann ja passiern, uuuuuuuuuund jetze abba Schwamm drüba! Und wehe, dieses Schwamm drüba wird nich anjenomm! dann jibbet Popohaue! (edit: sorry für den hier notwendigen Kalauer...der nicht mal Kalauer sein muss. "Wenn der Kerl dahinten weiterhin behauptet, ich hätte ihn geschlagen, lege ich ihn übers Knie!" Prügel hat viel mit Eindreschen in double-binds zu tun!) Die Täter(innen) definieren das Therapie-Ziel...so gehts nicht!

x-ray

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Löwin am Di Dez 20, 2011 1:16 pm

Hallo x-ray,

Dankeschön für Deine Nachricht an mich. Es freut mich, dass ich als Gast schreiben darf. Das mit einer Alias-Mailadresse überlege ich mir noch. Nur möchte ich nicht zu viele Mail- Adressen besitzen (ich habe eine berufliche und eine private, die beide meinen Vor- und Nachnamen enthalten).
Ich stimme Dir zu, dass sich in Foren viele Spinner rumtreiben. Aber ich bin wirklich keine Spinnerin. Von mir werden auch keine unsachlichen und keine unqualifizierten Beiträge kommen. Im Gegenteil, ich wurde in meiner Kindheit und Jugend seelisch und körperlich massiv misshandelt (bin Mitte 1960 geboren), bin Alice Miller und anderen Therapeutinnen wie z. B. Susan Forward und auch einer deutschen Ärztin und Buchautorin Frau Dr. Diehlmann (Bücher: Bitte keine Gewalt und Der Körper packt aus) sehr dankbar, das sie sich diesem Tabu-Thema widmen und sie keine Elternschonung betreiben, wie ich es in meiner Therapie erlebt habe. Dies gilt auch für Frau Müller-Münch mit ihrem Buch Die geprügelte Generation, welches ich bereits vorbestellt habe. Meines Erachtens bekommen wir alle einst Misshandelten damit endlich ein Gesicht.
Vor einigen Jahren hatte ich mich mit Alice Miller auf ihrer Webseite unter der Rubrik Leserbriefe ausgetauscht.
Und die in diesem Forum im Bereich wichtige Links erwähnte emak.org kenne ich als Betroffene ebenfalls sowie auch die auf besagter Seite aufgeführten Artikel und weiteren Links. Dies alles war mir bei der Aufarbeitung meines Kindheitstraumas eine sehr große Hilfe.
Und nein, auch bin ich keine Anhängerin der von Dir erwähnten Ks von den v. E. Das besagte GB ist mir als einst gelegentlich stille Mitleserin bekannt. Das Thema v. E. in den Medien sowie das große Warum? plus Wehklagen kann ich nicht mehr hören und sehen. Mir ist das ganze Thema zu einseitig.

Nun auch von meiner Seite aus zurück zum Thema. Nein, ich weiß nicht, wer Du klarnamentlich bist, aber für mich ist Anonymität gerade bei diesem Thema absolut in Ordnung. Der von Dir geschilderte Fall mit der Dir bekannten Person hat mich schmerzlich berührt.
Was das Thema Lederriemen angeht, ja diesen hatte ich damals auch zu spüren bekommen - zusätzlich noch die Fäuste, die bloßen Hände, Kleiderbügel und den Teppichklopfer und jede Menge verbales Gift und Riesenlöffel Moralinsaures.
Das Therapieziel Versöhnung trotz allem, was meine Eltern mir antaten, kenne ich ebenfalls. Ich bekam in der Therapie immer wieder dieses "Sie haben es nie anders gelernt, nie anders gewusst. Sie hatten es aber doch auch schwer gehabt." zu hören. Um mich selbst ging es in meiner Therapie kaum. Deshalb habe ich sie abgebrochen und habe mir selbst mit den Büchern von Alice Miller und Susan Forward geholfen. Nachdem ich diese Bücher gelesen habe, war ich in der Lage, mir alles von der Seele zu schreiben, mir selbst gezielte Fragen zu stellen und zu beantworten und mir erlauben zu weinen. Ferner habe ich nicht abgeschickte Wut-Briefe an meine Eltern geschrieben. Einen etwas sachlicheren Brief habe ich meinen Eltern geschrieben, nur mit dem Ergebnis, dass sie mich übelst beschimpften. Aber auch das habe ich inzwischen in Eigenarbeit verschmerzt. Dies ist mein persönlicher Weg, der auf keinen Fall Maßstab für andere Betroffene sein soll.
Für mich ginge Versöhnung nur dann, wenn meine Eltern von selbst auf mich zukommen würden - und zwar schriftlich, damit ich es schwarz auf weiß habe - und echte, ehrliche Reue zeigen würden. In dem Fall würde ich mir jedoch von meinen Eltern ausreichend Bedenkzeit erbeten. Aber das ist bei meinen Eltern kein Thema mehr und ich habe es mühsam verschmerzt. Mir geht es nach der Trennung besser. Wenn mir Dinge von früher wieder im Kopf herumgeistern, greife ich zu meinem "Spucknapf" (so nenne ich mein Notizbuch) und schreibe mir alle Gefühle nieder und lasse meinen Tränen freien Lauf.

So, das war es zunächst einmal von mir. (habe momentan urlaubsbedingt Zeit, hier zu schreiben)

Löwin
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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  x-ray am Di Dez 20, 2011 3:41 pm

ich weiß nicht, wer Du klarnamentlich bist
Natürlich weißt Du das. Oder? Wenn nicht, ists auch okay.
editiert

Ansonsten: Zustimmung! Nicht in Versöhnlerismus machen! "Wir allä habm Fähla jämacht uuund dannn Schwammmm drübah!" Nö, so nicht. Wenn Fehler, die natürlich auch und vor allem aus der eigenen Erziehung resultierten, ehrlich eingeräumt werden, können wir neu verhandeln. Aber der "Schwamm-drüber-Blues" fällt aus wegen iss nich.

doppel-edit, für Dich, für alle: ich habe mich dekonspiriert (nicht zuletzt auch dadurch, dass ichs in einem Roman publiziert habe!), aber ich erhebe mich nicht über die, die definitiv anonym bleiben wollen. Bitte fühlt Euch nicht unter Druck gesetzt! Eure Gefühle sind wichtig! Wie es Euch mit dem Thema geht ist wichtig! Bleibt anonym, um Himmels willen, allein schon aus beruflichen Gründen...

x-ray

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  merten am Mi Dez 21, 2011 6:58 am

Ich habe sie häufiger mal darauf angesprochen. Aber sie haben immer zugemacht. Jetzt sind sie alt. Am 24. abends wird wieder mal "Heile Familie" sein, und wenn sie dann wieder weg sind, bin ich foh. Die Kraft, mit ihnen zu brechen, habe ich nicht. Leider habe ich die nicht.

merten

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  caro am Do Dez 22, 2011 10:30 pm

Hallo Löwin

Ich finde Deine Haltung toll. das habe ich nie geschafft, solange sie lebten. Ich war stumm, stumm, stumm...

caro

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Löwin am Fr Dez 23, 2011 7:32 am

Hallo caro,

dieses Stumm-Sein, von dem Du schreibst, kann ich Dir voll und ganz nachempfinden. Lag dies eventuell in der Angst vor Deinen Eltern begründet? Mir ging es jedenfalls so. Auch ich war lange Zeit stumm, und traute mich nicht, einen Schlussstrich unter die Verbindung zu meinen Eltern zu ziehen - geschweige denn, meinen Eltern zu sagen, was Sache sei, denn zu groß war meine Angst vor ihnen. Irgendwann jedoch war vor jedem Zusammentreffen mit ihnen meine Laune restlos im Keller (meistens schon eine Woche vor dem Zusammentreffen). Obendrein hatte ich richtiges Bauchgrummeln und Angstzustände. Nein, ich wollte dieses ganze Friede-Freude-Eierkuchen-Spiel nicht mehr mitmachen, tat es aber viele Jahre dennoch.

Bei einer ehemaligen Studienkollegin und heutigen Freundin von mir fiel mir vor mehreren Jahren ein Buch mit dem Titel Führen Sie in Ihrem Leben selbst Regie in die Hände (den Namen des Verfassers oder der Verfasserin weiß ich leider nicht mehr - es ging um das Erkennen von Manipulationstaktiken innerhalb der Familie/Verwandtschaft ), ich schmökerte in dem Buch und stieß auf folgenden Satz: "Bestimmen Sie, wo Ihr Körper aufhört, es ist Ihrer und Sie müssen ihn nicht dort hintragen, wo er nicht sein will und nicht sein muss." Dieser Satz ließ mich nicht mehr los, und ab dem Zeitpunkt hat es bei mir sozusagen erst richtig "Klick" gemacht. Ab diesem Zeitpunkt begann ich mehr und mehr zu reflektieren. Ich begann eine Gesprächstherapie, bei der es jedoch hauptsächlich darum ging, dass ich doch meine Eltern verstehen und ihnen vergeben sollte, weil sie es selbst nicht anders gelernt hätten und so weiter und so fort. Mir ging es mit dieser Art Forderung alles andere als gut, und ich brach die Therapie ab. Mehrere Jahre später entdeckte ich in einem Buchladen Bücher von Alice Miller und von Susan Foward und legte mir diese zu. Mit diesen Büchern habe ich richtig gearbeitet, reflektiert, in mich hineingehorcht (was will das ehemalige kleine Mädchen mir alles erzählen? - ganz im Sinne von Alice Miller), mir selbst viele Fragen gestellt und beantwortet und in meine Notizbücher geschrieben, geschrieben, geschrieben ... alle Gedanken und Gefühle wollten aus mir nichts als raus. Diese Bücher und auch meine gesamten Gefühle und Gedanken haben mir letztendlich Mut gegeben, die Trennung zu vollziehen. Aber ganz ehrlich? Dieser Schritt war für mich kein Zuckerschlecken, denn ich hatte trotz Erwachsensein, einem netten und vor allem gewaltfreien Umfeld inklusive Ehemann und auch Erfolg im Beruf immer noch eine Wahnsinnsangst vor meinen Eltern und deren Reaktionen. Des Weiteren musste ich ständig an das im Jahre 2000 verabschiedete BGB-Gesetz zur Ächtung von Gewalt gegen Kinder denken sowie auch an die ganzen Begebenheiten mit meinen Eltern und deren sture Uneinsichtigkeit - und dies alles gab mir dann doch den Auftrieb, mich zu trennen. Die Reaktion meiner Eltern war, wie in einem anderen Kommentar von mir beschrieben. Ich habe sie mit viel Kraftaufwand verschmerzt. Aber ich habe sie verschmerzt, und das ist für mich heute das Entscheidende. Flashbacks und Triggermomente habe ich heute zum Glück nur noch selten. Und wenn, dann höre ich dem kleinen Mädchen, das ich einmal war, genau zu, schreibe alles auf und lasse auch meinen Tränen ihren freien Lauf. In solchen Momenten bin ich sehr gern für mich allein.

Auch Dir, caro, wünsche ich bei Deiner Aufarbeitung alles erdenklich Gute und dass Du den für Dich persönlich richtigen Weg findest.

Löwin
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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  x-ray am Fr Dez 23, 2011 8:42 am

Tolles Posting, danke, Löwin. Ich = bis so etwa 13 die üblichen Schläge, danach noch Ohrfeigen. Als einmal mit 17 Jahren noch einmal zugeschlagen werden sollte, schlug ich einfach zurück. Ggfls eine typisch männliche Art, sich zu wehren? Andererseits habe ich nur in meiner Jugend bei einem Therapeuten gesessen, der sich allerdings nicht auf das Thema fokussierte. So mit 19, 20 geriet ich an Miller, Rutschky etc, dachte, ich wäre da so halbwegs mit mir im Reinen, habe meinen Eltern auch deutlich signalisiert, dass das nicht in Ordnung war, allerdings nie vollständig mit ihnen gebrochen (einmal für 6 Monate)...bis ich nach der Ankündigung von Müller-Münchs Buch noch einmal einen heftigen Flashback bekam; Ergebnis ist u.a. dieses mit "Tom" ("merten") gemeinsam betriebene Forum.

x-ray

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Löwin am Fr Dez 23, 2011 11:07 am

Tolles Posting, danke, Löwin. Ich = bis so etwa 13 die üblichen Schläge, danach noch Ohrfeigen. Als einmal mit 17 Jahren noch einmal zugeschlagen werden sollte, schlug ich einfach zurück. Ggfls eine typisch männliche Art, sich zu wehren? Andererseits habe ich nur in meiner Jugend bei einem Therapeuten gesessen, der sich allerdings nicht auf das Thema fokussierte. So mit 19, 20 geriet ich an Miller, Rutschky etc, dachte, ich wäre da so halbwegs mit mir im Reinen, habe meinen Eltern auch deutlich signalisiert, dass das nicht in Ordnung war, allerdings nie vollständig mit ihnen gebrochen (einmal für 6 Monate)...bis ich nach der Ankündigung von Müller-Münchs Buch noch einmal einen heftigen Flashback bekam; Ergebnis ist u.a. dieses mit "Tom" ("merten") gemeinsam betriebene Forum.

Gern geschehen, x-ray.

Bei mir hörten die Schläge mit Gegenständen so ca. im Laufe meines 14. Lebensjahres auf, die Ohrfeigen gingen weiter bis zum 18. Lebensjahr. Während meiner Jugend - so ab 14 - ging allerdings die verbale Gewalt so richtig los, so nach dem Motto, ich sei eh für alles zu dumm, ich würde später in der Gosse landen (wie meine Eltern darauf kamen, weiß ich nicht, denn ich habe mir nichts Sittenwidriges erlaubt, außer dass ich keine Lust mehr hatte, diese piefigen Pseudo-Jeans mit Blümchenstickerei zu tragen stattdessen lieber Wrangler-Jeans oder öde Schlager à la Hitparade zu hören, sondern stattdessen lieber T-Rex, Slade, Supertramp und wie die Popgruppen damals in den 70ern alle hießen, dass ich mit 16 nach langem Bitten und Betteln auch endlich auf Feten gehen durfte und dass ich bis ca. 18 fleißig die Bravo gelesen habe - selbst dies alles empfinde ich nicht als "verrucht"). Aber ich möchte über das ganze verbale Gift keine Romane schreiben.

Ob Deine Art, Dich zu wehren typisch männlich war? Da stellt sich mir die Frage, was ist die typisch männliche Art, sich zu wehren? Gewalt wurde uns (d. h. Männern wie Frauen) ja leider anerzogen, das wissen wir Betroffenen ja. Als Jugendlicher wirst Du Dich wahrscheinlich nicht anders zu wehren gewusst haben, nehme ich mal an.
Und mit 19, 20 hast Du schon Bücher von Alice Miller und Katharina Rutschky gelesen? Ich wäre froh gewesen, wenn ich diese Bücher schon in dem Alter in die Finger bekommen hätte.
Was die Flashbacks angeht, hoffe ich für Dich, dass Du gut damit umgehen kannst und diese eines Tages immer weniger werden und irgendwann schließlich ganz abklingen.

Löwin
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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  x-ray am Fr Dez 23, 2011 1:55 pm

da geht man nochmal kurz online...
Als Jugendlicher wirst Du Dich wahrscheinlich nicht anders zu wehren gewusst haben, nehme ich mal an.
Naja, zurückgeschlagen zu haben empfinde ich bis heute nicht als falsch...aber wir meinen wohl das gleiche. Mit dieser Aktion, so empfand ich es damals, so empfind ich es heute, habe ich meine Integrität wiederhergestellt.

Verbale gewalt habe ich eher anders herum erlebt: Als Junge/Mann, selbstredend Gymnasiast (etwas anderes stand überhaupt nicht zur Debatte!) hatte ich gefälligst Uni-Abschluß plus gut dotiertem Job heim zu bringen. Ich war obermegasuper gut, hatte dieses Label aber natürlich zu verifizieren! O-Ton meiner Mutter: "xxx hat gerade sein Chemie-Studium mit Auszeichnung bestanden, bei der yyyy einen Bomben-Job, geheiratet, das erste Kind ist unterwegs, und gerade ein Haus gebaut. Wie sich das gehört!" So denkt die! Wir waren kein Dreck, welchen man zusammenprügeln muss. Wir waren edle Zuchtpferde, die man zum Derby-Sieg prügelt! Und wehe, der Derby-Sieg trudelte nicht ein! Er trudelte natürlich nicht ein...

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Löwin am Fr Dez 23, 2011 9:17 pm

Naja, zurückgeschlagen zu haben empfinde ich bis heute nicht als falsch...aber wir meinen wohl das gleiche. Mit dieser Aktion, so empfand ich es damals, so empfind ich es heute, habe ich meine Integrität wiederhergestellt.

Ja, ich verstehe, was Du meinst.
Und ja, ich gestehe, ich habe mich in meinem gestrigen Beitrag falsch ausgedrückt.

Die von Dir beschriebene verbale Gewalt kenne ich in der gleichen Form - ebenfalls von meiner Mutter und zusätzlich von meiner Oma ausgehend. Ständig wurde ich mit anderen verglichen, was diese alles konnten und alles erreicht haben. Und beide waren der Meinung, ich würde weder mein Abi noch die Uni schaffen. Beides habe ich aber dann doch geschafft und habe somit einen Titel erworben. Ich hatte mich in Schule und Uni so richtig reingekniet - aus heutiger Sicht, um diese Gewalt zu überleben und auch gepaart mit Trotz nach dem Motto "Jetzt erst recht." Gefreut hatte sich damals niemand aus meiner Familie für mich. Als ich damals stolz die Uni-Urkunde präsentierte, war die Reaktion meiner Mutter "Ach so.", die meines Vaters "Ja, und? Bild' dir bloß nichts drauf ein, das sage ich dir." Die meiner Oma war auch nichts besser. Heute kann ich dazu nur sagen "Na, dann eben nicht. Hauptsache, ich selbst freue mich als Einzige."

Löwin
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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  x-ray am Fr Dez 23, 2011 11:08 pm

Nicht so ganz genau gleich, liebe Löwin.

Wir (als Jungs, vielleicht hängt das damit zusammen) waren schon kleine Prinzen, waren auch geliebt...insoweit und solange wir den Erwartungen entsprachen.

Wir wurden nicht klein, wir wurden stark geredet...hatten dann aber gefälligst auch zu "liefern". Nämlich eine Karriere, mit der man angeben kann. "Mein Sohn, der Professor, mein Sohn, der Chefredakteur, mein Sohn, der Dr. med" etc

Verbal kurz gehalten, so wie Du, wurden wir nicht. Im Gegenteil. Nur: Wir hatten dann auch zu "liefern". Und wehe, wenn nicht...

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Admin am So Dez 25, 2011 11:50 pm

obwohl nichts verändert wurde, scheint es derzeit Schwierigkeiten zu geben, als "Gast" zu schreiben. Anfragen an mich unter ferdinand.69@web.de. Richtet Euch selber einen zweit/Alias-Mailaccount ein. Ihr könnt mir auch Eure Beiträge übers Kontaktformular http://wirwurdengeschlagen.forumieren.com/contact zumailen; ich stelle sie dann ein (das Kontaktformular funzt, habs gerade selber getestet). Gerade bei diesem Thema habe ich volles Verständnis für Zurückhaltung und den Wunsch nach strikter Anonymität.

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  gastaccount am Mo Dez 26, 2011 4:54 am

Falls jemand hier nur als Gast schreiben möchte, aber weiterhin Schwierigkeiten damit hat: Bitte Euren Beitrag perMail über Kontaktformular an mich http://wirwurdengeschlagen.forumieren.com/contact ich werde ihn dann unter diesem Account einstellen.

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Aua am Mo Dez 26, 2011 8:59 am

Löwin schrieb:Hallo x-ray,

nein, Versöhnung kommt für mich nicht in Frage, und zwar ganz einfach aus dem Grund, weil meine Eltern für die seelische und körperliche Gewalt, die ich leider durch sie erfahren musste, keine, aber auch gar keine Reue zeigen. Und ja, ich habe mich von meinen Eltern getrennt. Ich vertraue ihnen nicht. Nein, Vertrauen habe ich in meine Eltern von Kindesbeinen an nie gehabt. Das haben meine Eltern zerstört. Die Trennung von meinen Eltern habe ich für mich getan - meiner Würde und Selbstachtung zuliebe.

Die Sache mit der Versöhnung sehe ich persönlich ebenso kritisch wie Alice Miller, deren Bücher mir bei der Aufarbeitung meiner Kindheit sehr treue Begleiter waren. Ebenso die amerikanische Therapeutin und Buchautorin Susan Forward, die das Buch Vergiftete Kindheit geschrieben hat, plädiert ebenfalls nicht für Versöhnung, sondern überlässt den Betroffenen selbst die Wahl.

Es mag vielleicht Eltern geben, die echte Reue zeigen. Mir ist dies jedoch vergönnt. Somit habe ich inzwischen jede Hoffnung aufgegeben.

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Liebe Loewin, Ich kann so nachempfinden wie Du Dich selbst wiederaufgebaut hast, weil es fuer mich so viele Jahre gedauert hat und ich keinstenfalls eine Ahnung hatte wie ich das geschafft habe. Mir ist leider versagt worden eine sogenannte Herausforderung an meinen Alten zu stellen, da er leider (vielleicht auch Gottseidank) abgekratzt ist. Ich bin ein wenig krass weil mir heute noch die Galle hochkommt nach all dem was ich und meine Geschwister ueberlebt haben. Nichtsdestotrotz, heutzutage kann ich mich sehr gut verteidigen und austeilen was ich als Kind mich nie getraut hatte. Das hat einen Kostenpunkt von 19 Jahren und Tausende von Dollars gekosted. Ich befinde mich im Ausland, habe hier die beste Hilfe gefunden, aber habe immer noch Angstzustaende wenn mir jemand zu dicht gegenueber steht. Ich leide an sofortiger Atemnot, Juckreiz, roten Flecken durch diese jahrelang erlittenen "aus dir wird nichts, du faellst in die gosse, irgendeiner hat hoffentlich Mitleid mit einem Idioten und schlaegt dir auf die Fresse damit du wieder in die reihe kommst." In meinen Alptraeumen ermorde ich dieses Untier stueck fuer stueck, lasse ihn hoeren wie ich schreie, sowie ich noch nie geschrien habe, und mit aller Macht die ich in mir habe schlage ich zu! Die tagtaeglichen Ausschweifungen, die misshandlungen, das einsperren (besenkammer/Keller/Garage) das verweigen von nahrung und entzug von natuerlicher beduerfnis erleichterung, die augen geschwollen und die striemen an meinen Beinen und Ruecken/Schultern/Armen die teilweise blutig waren, sind bis heute noch bunte bilder geblieben. Um nicht zu grafisch werden, als erwachsenes maedchen habe ich meine regel bekommen und nach binden gebeten und wurde von "ihm" geordert mir selbst zu helfen, da hat er nichts mit am hut. Ich habe nichtmals gewusst was da mir passiert ist und hatte nur gedacht endlich kann ich sterben. Auklaerung gab es nicht in meinem Haus, man musste zuhoeren was hinter geschlossener tuer vorfand oder die pornohefte als idee benutzen. Ich habe leider einige grammatik fehler, aber ich hoffe es ist euch egal. Mein groesstes erlebnis heutzutage ist dass ich darueber reden/schreiben kann, und mir jemand zuhoert und ich WEINEN DARF, weil es schmerzt. Ich habe heute noch schwierigkeiten eine beziehung zu meinem koerper zu haben und einen sehr guten lebenspartner (gatten) der mich liebevoll behandelt und versteht wenn ich mich benehme als ob der teufel hinter mir steht. Nachts wenn ich alptraeume habe, nimmt er mich sanft in die arme, haelt mich fest und beruhigt mich wie ein kleines kind. Ich weiss dass es ok ist zu fuehlen was ich fuehle, es ist auch ok zu hassen, nur nichts in mir selber. Ich konnte nichts dafuer dass ich ein kind war, es ist nicht meine schuld dass ich erniegrigt wurde, dass ich ein grund war sich an mir abzureagieren. Meine Geschwister waren alles dass ich in meinem miesen leben damals hatte, und heutzutage liebe ich meine schwester ueber alles, mein bruder ist tot. Ist das meine schuld, was habe ich vergessen, warum habe ich ihn nicht gerettet? Ich vermisse ihn, fuehle mich schuldig und hoere noch immer sein wimmern, schreien, seine schmerzen, sehe seine traenen, und kann sie nicht trocknen. Es sind meine traenen nun. Aua

Aua

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Für Aua

Beitrag  Löwin am Mi Dez 28, 2011 11:28 am

Liebe Aua,
gern antworte ich Dir auf Deinen Kommentar von vorgestern (Montag, 26.12.2011). Das mit der Zitierfunktion klappte bei mir irgendwie nicht. Deine Zitate habe ich aus meinem Kommentar an Dich nun weggelassen, und hoffe, dass meine Antwort für Dich trotzdem verständlich ist.

Es freut mich ganz riesig für Dich, dass Du es aber geschafft hast – unabhängig von der Anzahl der Jahre und des Wie. Das ist doch ein wichtiger und schöner Fortschritt, den Du gemacht hast. Dazu gratuliere ich Dir herzlich!

Du hast mein volles Verständnis, dass Du so über Deinen Alten (um es mit Deinen eigenen Worten zu formulieren) denkst. Die Bezeichnung Vater hat er wirklich nicht verdient (never ever) – eher Unmensch, Ungeheuer oder, wie Du selbst sagst, Alter. Ich nenne ihn hier im Kommentar "er" bzw. "ihn".
Und nein, Du bist meiner persönlichen Meinung nach nicht krass. Es ist Dein gutes Recht, auf ihn sehr wütend zu sein – Dir, Deiner Würde und Deiner Heilung zuliebe.
Ja klar, darf Dir die Galle hochkommen, nach all dem, was er Dir und Deinen Geschwistern angetan hat.
Dir und Deinen Geschwistern hat er furchtbar Schlimmes angetan – das ist Tatsache. Er hat an Euch eine schwere Straftat begangen, die rechtliche Konsequenzen mit sich gebracht hätte, wenn es denn mutige Zeugen gegeben hätte.

Dass Du Dich inzwischen sehr gut verteidigen kannst, ist richtig und wichtig – Dir und Deiner Würde zuliebe.

Wenn Dir die Hilfe, die Du dort, wo Du jetzt lebst, bekommen hast, gut tut, so freut mich dies für Dich. Die ganzen körperlichen Reaktionen, die Du beschreibst, haben ja ihren Ursprung. Aber ich bin sicher, dass diese mit Hilfe Deiner Therapie Schritt für Schritt irgendwann einmal ganz abklingen werden. Dies braucht eben seine Zeit.
Und was die Sprüche, die er abgelassen hat, angeht, die sind widerlich, niederträchtig, demütigend und untergraben das Selbstbewusstsein. Jaja, ich selbst kenne solche Sprüche zur Genüge und auch bei mir hat es lange gedauert, bis dass ich diese aus meinem Kopf bekommen habe. Hilfe waren mir dabei unter anderem mein Mann, liebe Freunde und auch die Menschen, mit denen ich im Beruf zu tun habe (Mobbing und so habe ich zum Glück bis jetzt nie erlebt).
Ich wünsche Dir, dass auch Du eines Tages Dich mit Hilfe Deiner Therapie und Deines Umfeldes von diesen Sprüchen freigemacht hast.

Es ist so furchtbar, was er mit Dir und Deinen Geschwistern gemacht hat – wie ich schon weiter oben geschrieben habe: eine sehr schwere Straftat.
Ja, es tut mir sehr weh, das zu lesen, was er Euch angetan hat.

Es macht doch gar nichts, dass Dein Kommentar Grammatikfehler enthält. Das kann doch beim Schreiben passieren. Vielleicht spielen Deine Gefühle dabei eine Rolle oder vielleicht ist der Bezug zu Deiner Muttersprache etwas verlorengegangen ... ist doch egal.
Wichtig und schön ist es doch, dass Du inzwischen über Deine Erlebnisse reden und schreiben kannst, dass Du einfühlsame Menschen hast, die Dir zuhören. Dies freut mich ganz riesig für Dich.
Auch dass Du weinen kannst. Selbstverständlich darfst Du weinen, dies ist Dein gutes Recht, das Dir niemand – absolut niemand – verbieten darf.

Gib Dir selbst die Zeit, die Du dafür benötigst. Sicherlich arbeitest Du auch hieran in Deiner Therapie, oder? Dein Körper gehört Dir und hat eine Würde.
Treibst Du eventuell Sport? Wie sieht es aus mit leckerem Obst und Gemüse und dem, was Dir wohlschmeckt? Eventuell Deine Haut mit einer dezent- und wohlriechenden Körperlotion verwöhnen? Dies sind von mir nur Ideen, und Du kannst ja für Dich schauen, ob Du etwas davon nutzen möchtest oder nicht – das bleibt ganz Dir überlassen.
Es freut mich ebenfalls für Dich, dass Du einen liebevollen Ehemann hast, der zu Dir hält und Dich versteht.

Ja klar, sind Deine Gefühle okay. Diese haben ihre volle Berechtigung und sie tragen doch auch Schritt für Schritt zu Deiner Heilung bei.
Für das, was er Dir und Deinen Geschwistern getan hat: nein, weder Du konntest noch konnten Deine Geschwister etwas dafür. Und nein, es ist niemals, niemals, niemals Eure Schuld.
Dass Dein Bruder nicht mehr lebt, tut mir sehr leid für Dich und Deine Schwester. Ich kann es Dir nachfühlen, dass Du ihn vermisst.
Hast Du in Deiner Therapie darüber gesprochen, warum Du Schuldgefühle wegen Deines Bruders hast. Ja, oder?

Liebe Aua, ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles erdenklich Gute – auch für Deinen weiteren Therapieverlauf, so dass Du alles in Deinem eigenen Tempo gut aufarbeitest. Von ganzem Herzen wünsche ich Dir, dass auch für Dich wieder die Sonne scheinen wird (es mag vielleicht kitschig oder seltsam klingen, jedoch weiß ich nicht, wie ich dies anders in Worte fassen soll, nach dem, was Du erlebt hast), d. h. Freude und schöne Momente in Deinem weiteren Leben mit netten, Dir gut tuenden Menschen. Dies alles wünsche ich von ganzem Herzen auch Deiner Schwester.
Im Grunde genommen wünsche ich dies jeder und jedem Betroffenen.



Löwin
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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Admin am Do Dez 29, 2011 12:12 am

Hallo Löwin,

um zitieren zu können müsstest Du Dich vielleicht doch registrieren. Einfach mit einem anonymen Zweitmailaccount bei einem Freemailer, blablabla@xxx.yy oder so ähnlich.

Inhaltlich habe ich wieder einmal keine Einwände ;-)

@ Aua: ich schließe mich Löwins Wünschen von Herzen an.

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Aua am Fr Dez 30, 2011 5:22 am

Liebe Loewin, danke vielmals fuer dein und aller komentare und support. Meine therapie laeuft seit 15 jahren nun, fast 16. hatte mehrfach therapeuten wechseln muessen bis die richtige in meiner suche auftrat. Wir habe eine sehr gute zusammen arbeit, ich bin nicht alleine mit meine schmerzen und kindheits alptraeumen. Langsam kommt eine bisschen erleichterung und ruhe, aber dann ist auch wieder dieses feuer dass frisst an mir und ich kann es nicht loeschen. Trotz all dem aber gehe ich weiterhin zu meiner therapeutin, ich kann dort alles loslassen und bekomme keine kritik, kein belitteling, niemand lacht und sagt ich bilde mir das ein. Ich habe auch bei deiner antwort ganz schoen geweint, welches man clearing nennt. Sich aussprechen zu koennen und nicht schoene worte finden zu muessen, wut empfinden zu koennen, sich so klein wie moeglich machen zu koennen ohne das drohungen fallen, ist solch eine wohltat. Aber ich habe auch ruhige phasen, die mich am leben teilnehmen lassen, freude empfinden lassen, und diese momente werden in letzter zeit ein wenig mehr, das ziel was ich vor augen habe ist zu akzeptieren dass meine kindheit beschissen war, dass ich trotzdem ueberlebt habe, dass ich heute eine bessere person bin weil ich weiss wie man ueberlebt. Der alte kann mir nicht mehr wehtun, die rationale ist simple, tief einatmen, an meinen lieblings ort zu denken, sehr angenehme dufte riechen, einatmen, cremes auf der haut einarbeiten die am meisten wehtut. Daran denken wenn ich mir selbst wehtun moechte, dass ich das nicht brauche, dass ich ohne schmerzen fuehlen kann, dass ich einen starken, mitfuehlenden menschen neben mir habe, der mich haelt, der mich auffaengt wenn ich falle. Der mich nicht verlaesst wenn ich schwach werde oder sterben will. Er liebt mich, ich liebe mich selber und ich bin eine sehreinfuehlsame pserson, ein mensch der es verdient sich liebend selbst behandeln kann. Vielen dank fuer die wundervollen worte von hoffnung und mitgefuehl, dass ich nicht allein bin, dass mein koerper ein tempel ist und ich mich darin sicher und wohl fuehlen kann. Aua

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Re: Wie mit den Eltern umgehen?

Beitrag  Löwin am Fr Dez 30, 2011 10:22 am

Liebe Aua,
hatte mehrfach therapeuten wechseln muessen bis die richtige in meiner suche auftrat. Wir habe eine sehr gute zusammen arbeit, ich bin nicht alleine mit meine schmerzen und kindheits alptraeumen. Langsam kommt eine bisschen erleichterung und ruhe, aber dann ist auch wieder dieses feuer dass frisst an mir und ich kann es nicht loeschen. Trotz all dem aber gehe ich weiterhin zu meiner therapeutin, ich kann dort alles loslassen und bekomme keine kritik, kein belitteling, niemand lacht und sagt ich bilde mir das ein.

es freut mich für Dich, dass Du die für Dich richtige therapeutische Hilfe gefunden hast. Wegen dieses Feuers, von dem Du schreibst, es dauert eben seine Zeit, bis dass dieses Trauma verarbeitet ist. Gib Dir mit Hilfe Deiner Therapie die Zeit, die Du dafür brauchst.
Was Kritik, belittling (also jemanden heruntermachen), Lachen und Das-Einbilden angeht, klar, sowas geht gar nicht (no way / That's off-limits.). Das darf kein(e) Therapeut/in (wäre in höchstem Maße unprofessionell) und darf auch kein anderer Mensch. Aber so, wie Du schreibst, bist Du für Dich auf dem richtigen Weg und kannst bei Therapeut/innen unterscheiden, wer Dir gut tut und wer nicht. Und das machst Du ganz richtig so.

Sich aussprechen zu koennen und nicht schoene worte finden zu muessen, wut empfinden zu koennen, sich so klein wie moeglich machen zu koennen ohne das drohungen fallen, ist solch eine wohltat. Aber ich habe auch ruhige phasen, die mich am leben teilnehmen lassen, freude empfinden lassen, und diese momente werden in letzter zeit ein wenig mehr, das ziel was ich vor augen habe ist zu akzeptieren dass meine kindheit beschissen war, dass ich trotzdem ueberlebt habe, dass ich heute eine bessere person bin weil ich weiss wie man ueberlebt.
Ja, auf jeden Fall ist es wichtig/richtig, dass Du Dich aussprichst, denn die ganzen schlimmen Erlebnisse - für die Du überhaupt nichts, aber auch überhaupt nichts kannst - müssen ausgesprochen werden. Nur so kannst Du heilen. Das Gleiche gilt auch für die Wut - die ist doch absolut berechtigt, und sie trägt doch auch zu Deiner Heilung bei. Wenn Du Deine Wut auf ihn (Du weißt sicherlich, wen ich meine) in Wort und in Schrift (vielleicht auch zusätzlich als reine Ergänzung bei einer Sportart, die Du magst?) rauslässt, klingt sie mit der Zeit immer mehr ab - aber das dauert bei jedem Menschen verschieden lange. Und: Never ever (Niemals!) "musst" Du "schöne" Worte für das, was er Dir und Deinen Geschwistern Abscheuliches angetan hat, finden. Dafür gibt es ganz einfach keine "schönen" Worte, das alles ist unentschuldbar - period! (Punkt!)
Es freut mich riesig für Dich, dass Du auch ruhige Phasen hast, Du am Leben teilnehmen, Freude empfinden kannst und dass diese Momente zunehmen - that's great!, give yourself a pat on the back (ist doch toll!, klopf Dir dafür auf die Schulter).
"Ausradieren" lässt sich diese, Deine Kindheit leider nicht. Aber Du hast sie überlebt und Du hast Dir die Hilfe geholt, die Dir gut tut - und das ist das Wichtigste.
Worüber ich allerdings gestolpert bin - Du schreibst, dass Du heute eine bessere Person seist. Dies sehe ich anders. Ich meine, Du bist nicht nur heute eine bessere Person, sondern Du warst auch damals eine gute (mit gute meine ich wertvolle) Person. Er ganz allein war es, der Dich und auch Deine Geschwister nicht als gute Personen angesehen hat - er ganz allein hat die ganze Schuld. Trotzdem bist Du und sind Deine Geschwister wertvoll. Verstehst Du, wie ich das meine?

Wie ich Deinen weiteren Worten entnehme, bist Du auf dem für Dich richtigen Weg und hast liebe Menschen in Deinem Umfeld. Das ist doch toll! Mach' weiter so - Dir zuliebe, denn Du bist es wert.

Löwin
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